Pfarrbereich Bienstädt
TÖTTELSTÄDT

Kirche St. Nikolai, 1920

Südöstlich der Fahner Höhen gelegen war Töttelstädt im Mittelalter Ort vieler Grenzstreitigkeiten, da sich hier Mainzer und Erfurter
Gebiet trafen. So wurde das Dorf 1104 urkundlich als Mainzer Besitz, 1263 dagegen als Besitz der Herren von Gleichen ausgewiesen. Heute leben im Ort, der politisch zur Stadt Erfurt gehört, 620 Bürger, davon 170 evangelische Christen. Die Kirchgemeinde lädt r
egelmäßig zu Gottesdiensten und jedes Jahr im Sommer zu Orgelkonzerten ein.

Töttelstädt ist früher ein großer Ort gewesen und hat zeitweise zwei Kirchen besessen, aber die Pest und Brandunglücke haben den Ort sehr verkleinert.

1610
sind hier 420 Menschen an der Pest gestorben. Es wird berichtet, dass jeden Morgen von Tiefthal den Grund herauf starker blauer Dunst kam und die Leute nur so umgefallen sind.
1696
entstand eine Feuersbrunst durch den Schuss eines Knaben, wobei 4 Häuser und 7 Scheunen abbrannten.
1725
wurde mit einem Kostenaufwand von 3358 Talern eine neue Kirche gebaut. Die alte Kirche stammte noch aus dem Jahre 1492. Die Einweihung der neuen Kirche erfolgte am 26. Oktober in Gegenwart des Herzog Friedrich II. von Gotha.
1824
Eine Feuersbrunst vernichtet am Abend des 15. Juni 79 Wohnhäuser sowie zugehörige Wirtschaftsgebäude, die Kirche, zwei Schulen
und das Brauhaus. Die Brandursache bleibt unbekannt. Die Einwohner verloren durch die Schnelligkeit, mit der sich das Feuer ausbreitete, den größten Teil ihrer Habe. 3.358 Taler wurden aus der Brandkasse als Entschädigung gezahlt.
1825
Am 20. Dezember wurde die neue Kirche eingeweiht. Der Turm wurde vom Zimmermeister Geiling aus Bienstädt erbaut. Die auf dem
Turm befindlichen 3 Glocken wurden von dem Glockengießer Ullrich aus Apolda gegossen. Die Baukosten betrugen 4736 Taler.
1917
Am 23. und 25 Juni wurden die große und mittlere Glocke vom Kirchturm heruntergenommen und für Kriegszwecke verwendet. Die drei Glocken kosteten seinerzeit (1825) 828 Taler. Die große Glocke hatte einen Durchmesser von 123 cm, die mittlere von 97 cm. Beide Glocken wogen zusammen 1867 kg.
1921
Das Pfarrgrundstück geht durch Kauf in Eigentum der Gemeinde über. Das Pfarrhaus wurde zu Schulzwecken nutzbar gemacht.
In frischen Farben erstrahlt das ehemalige Pfarrhaus, das schon 1920 verkauft wurde und jetzt als Wohnheim für suchtkranke Menschen dient. Es gehört zu den wenigen Gebäuden, die den großen Brand von 1824 überstanden haben. Damals wohnte und arbeitete Pfarrer Wilhelm Hey hier, dessen Lieder und Fabeln noch heute bekannt sind. Seit 2007 erinnert eine Gedenktafel am Haus an ihn.

1984
Ein Ereignis, welches unseren Einwohnern noch lange in unangenehmer Erinnerung bleiben wird ist ein Unwetter, das über unser Dorf hereinbrach. Anfang Juli war eine Hitzeperiode mit tagelangen extrem hohen Temperaturen. Am 11. Juli zeigte das Thermometer abends um 20.00 Uhr noch 32,0 Grad Wärme an. Kurz nach Mitternacht, um 00.15 Uhr des 12. Juli kam in wenigen Minuten ein Wirbelsturm auf, der unser Dorf sehr in Mitleidenschaft zog. Innerhalb von 3 Minuten, so lange tobte das Unwetter, waren 80 Prozent aller Häuser beschädigt. Am schlimmsten wurde die Kirche und ihre Umgebung betroffen. Der Kirchturm wurde abgehoben und weggeschleudert.
Dabei wurde die Bushaltestelle zertrümmert. Die 130 Jahre alten Linden- und Kastanienbäume, die den Kirchhof säumten, wurden vernichtet. Einige Bäume wurden sogar entwurzelt. Auch die in der Allee stehenden Bäume, die auch über 100 Jahre alt sind, wurden stark beschädigt. Die Schäden an Gebäuden waren beträchtlich. Eine Scheune wurde zertrümmert, zwei Dachstühle wurden abgehoben und hinweggefegt. Die Aufräumungsarbeiten dauerten tagelang.


Kirche St. Nikolai, 1986

Im Jahr 1986 wurde der durch den Wirbelsturm 1984 vernichtete Kirchturm neu erbaut. Dieser ist nicht mehr so hoch wie all seine Vorgänger, weil Geld und Baumaterial, vor allem Holz nicht so reichlich mehr zu beschaffen war. Auf dem Kirchhof wurden 20 Kastanienbäume gepflanzt.

Die Töttelstädter sind dankbar, dass 1998-2000 im Rahmen der Renovierung der Kirche auch die Orgel restauriert wurde. In einem Festgottesdienst anlässlich ihrer Einweihung am 10. Juni 2001 erklang die Ratzmann-Orgel wieder mit ihrer erstaunlichen Klangfülle
hinter dem strahlenden neuen Prospekt.

Unsere Pastorin ist Frau Ruth Dreyer.